Gestaltung des Schulalltags

Gestaltung des Schulalltags

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Es ist unser Ziel, einen Raum zu kreieren, in dem selbstbestimmtes, freies Arbeiten ermöglicht wird – fern von Leistungsdruck und ohne Zensuren. Wir möchten das System von Belohnung und Bestrafung durch Ermutigung und Inspiration zur eigenen Potenzialentfaltung ersetzen, hin zur freien Entwicklung des Individuums.

Wenn wir wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule für das Leben lernen, dann muss eines in der Schule stimmen: Die emotionale Atmosphäre beim Lernen. Wir wissen damit nicht nur, dass Lernen bei guter Laune am besten funktioniert, sondern sogar, warum Lernen nur bei guter Laune erfolgen sollte. Nur dann nämlich kann das Gelernte später zum Problemlösen überhaupt verwendet werden!”
Prof. Dr. Manfred Spitzer, Gehirnforscher

Dies wird erreicht durch eine vielfältige Lernumgebung mit anregenden Materialien, kompetente und inspirierende LernbegleiterInnen und ein individuelles Lernangebot.

 

Die Lernbegleiter

Die LernbegleiterInnen haben vor allem die Aufgabe, die Umgebung für die Kinder und Jugendlichen so vorzubereiten, dass das autodidaktische Lernen einfach und effektiv ist und die Schüler motiviert sind, sich anhand der vorhandenen Materialien Wissen anzueignen. In diesem Prozess bemühen sich die Erwachsenen, eine passive, begleitende Position einzunehmen und geben Schutz und Orientierung innerhalb klarer Grenzen und gemeinsam aufgestellter Regeln. Jeder Schüler wählt sich außerdem selbst eine an der Schule tätige Vertrauensperson als MentoIn, mit der sie alles besprechen kann, was den schulischen Alltag betrifft oder darüber hinaus die private Situation, die ja meist unmittelbar Auswirkungen auf Schule und Lernen hat.

 

Ein Schultag an der Freien Schule Wendland

Der Schultag beginnt mit einem gemeinsamen Morgenkreis, in die Schüler ihren Lernplan für den Tag formulieren. Der Tag selbst gliedert sich in Zeiten für Freiarbeit und Zeiten, in denen Kurse für Grundlagenwissen oder verschiedene Angebote angeboten werden. Die Schüler entscheiden selbst, wann sie eine Pause einlegen oder frühstücken. Lernen findet so in einem eigenen Rhythmus statt. Die Phasen schließen jeweils mit einer zusammenfassenden Reflexionsrunde ab und der Lernprozess wird von den Lernbegleitern und den Schülern in Form von Lerntagebüchern und Tagesnotizen dokumentiert. Regelmäßig finden Lerngespräche mit dem/der MentorIn statt.

Dieser Grundablauf wird erweitert durch eigenverantwortliche Projekte, Exkursionen, Reisen, Praktika und SchülerInnen-Firmen.

 

Freiarbeit

In den Freiarbeitsphasen beschäftigen sich die Schüler selbstbestimmt mit Dingen, die sie interessieren. Die Schule stellt ihnen hierzu alle nötigen Materialien, die jederzeit frei zugänglich in Regalen und Lerntheken ausliegen. Die Kinder und Jugendlichen sind nicht nur frei in der Entscheidung, mit welchem Material sie sich beschäftigen wollen, sondern auch bzgl. des Zeitpunkts und der Zeitdauer der Arbeit.

„Immer wieder wird die Frage gestellt, wie man es denn schaffe, Motivation zu erzeugen (…) Menschen sind von Natur aus motiviert, sie können gar nicht anders, weil sie ein äußerst effektives System hierfür im Gehirn eingebaut haben. Hätten wir dieses System nicht, dann hätten wir gar nicht überlebt. Die Frage danach, wie man Menschen motiviert, ist daher etwa so sinnvoll wie die Frage: »Wie erzeugt man Hunger? «“
Prof. Dr. Manfred Spitzer, Gehirnforscher

Kurse

In den Kursphasen werden die Themen aller klassischen Lernbereiche der Schule angeboten wie:

  • Fremdsprachen,
  • Deutsch
  • Naturwissenschaften
  • Mathe
  • Kunst und Musik
  • Geschichte
  • Soziale Weltkunde
  • Wirtschaft/ Technik

Sie stellen zusätzlich zur Freiarbeit eine Möglichkeit dar, sich Wissen an zueignen, zu üben und Erlerntes zu vertiefen.

 

Angebote

In den Angeboten werden verschiedenste Themen behandelt. Die Lernbegleiter bringen hier ohne zu dominieren Ideen und Materialien ein und orientieren sich dabei an dem, was die Kinder und Jugendlichen wirklich interessiert und was für sie wichtig ist. Auch Erwachsene außerhalb der Schule, die aus verschiedenen Berufen und Lebenssituationen kommen, werden eingeladen oder laden die Schüler zu sich ein, um ihre Kenntnisse und Erfahrungen zu teilen und ihre Arbeit vorzustellen. Auf diese Weise können die Kinder und Jugendlichen von wirklichen Fachleuten lernen, sich ausprobieren, Arbeit kennen lernen, Fähigkeiten und Neigungen bei sich entdecken oder erwerben.

 

Projekte

Projekte unterscheiden sich von den Angeboten dadurch, dass sie von allen Beteiligten ziel- und produktorientiert angelegt sind und dadurch Fähigkeiten wie Planung, Reflexion und Teamarbeit fördern. Projekte finden in der Regel an aufeinander folgenden Tagen statt, um kontinuierliches Arbeiten, und „Dranbleiben“ zu gewährleisten. Während der Projektgedanke in der Grundschule nur als Vorstufe realisiert werden kann, sind mit zunehmender Reflexionsfähigkeit der Jugendlichen die Projekte eine besondere Qualität der Sekundarstufe. Die Erwachsenen nehmen wie grundsätzlich üblich eine prozessbegleitende – also zurückhaltende – Funktion ein.


„Die Evolution hat uns dazu entwickelt, Probleme zu lösen und Dinge herauszufinden, die Teil unserer Lebenswirklichkeit sind.“
Peter Gray, Evolutionspsychologe

Projekte sollen den Aktionsradius der Schüler auch über die Schulräume und den Schulgarten hinaus erweitern. Im Wendland bieten sich vielfältige Möglichkeiten Projekte durchzuführen und Unterstützung zu erhalten, da die hier ansässige Bevölkerung bunt gemischt aus Landwirten, Handwerkern, Kunsthandwerkern, Künstlern und jeder Menge anderen Freiberufler besteht. Es gibt eine sehr gute Vernetzung und eine Tradition von Tausch und Unterstützung.

 

Exkursionen

Exkursionen außerhalb der klassischen „Schulräume“ sind ein natürlicher und dem Tagesverlauf der Kinder und Jugendlichen entsprechender Bestandteil. Schule darf keinen lebensfernen, isolierten Bereich darstellen, sondern vermittelt Wissen für und über das Leben. Es ist aus diesem Grund für uns unabdingbar, den Kindern und Jugendlichen an unserer Schule Kontakt und Erfahrung mit realen Zusammenhängen und Phänomenen des Lebens zu ermöglichen.


Es ist ein verbreiteter Unfug zu glauben, man könnte (oder noch schlimmer: sollte) seine Zeit einteilen in Perioden des Lernens und Perioden der Freizeit. Hier spielt uns das Gehirn ganz einfach einen Streich: Es lernt sowieso immer!“
Prof. Dr. Manfred Spitzer, Gehirnforscher

Reisen stellen eine konsequente Fortführung des Ansatzes dar, außerschulische Orte aufzusuchen. Reisen beginnen für uns da, wo weitreichende Planungen anstehen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Dies kann eine zweitägige Tour mit Rädern und Zug sein, aber auch eine mehrwöchige Fahrt.

 

Praktika

Für Kinder und Jugendliche besteht auch die Möglichkeit, während der Schulzeit in Handwerks-, und Handelsbetrieben, im Bericht Kunst und Kunsthandwerk sowie in sozialen Einrichtungen Praktika zu belegen.

 

Selbstständigkeit und Mitverantwortung

Wir möchten unseren SchülerInnen von Anfang an ein Lernfeld bieten, dass zu Selbstständigkeit und Mitverantwortung einlädt. Zwei Felder, in denen sich die Schüler diesbezüglich ausprobieren können sind die Schülerfirmen und ihr Mitbestimmungsrecht.

Bei den Schülerfirmen handelt es sich um Mini-Unternehmen, die innerhalb des Schulbetriebs mit festgelegten Regeln gegründet werden können. Dabei handelt es sich um „reale“ Unternehmen, die denjenigen der Wirtschaft möglichst ähneln. Eine Schülerfirma kann Dienstleistungen anbieten oder plant, produziert, vermarktet und verkauft Produkte. Die Schülerinnen führen kaufmännische und unternehmerische Tätigkeiten aus und können echtes Geld erwirtschaften. Die Geschäftsideen reichen von der Schulcafeteria, Schulbasar und dem Schülertheater über das Reisebüro bis hin zum Webdesign.

Die Schüler tragen von Anfang an eine Mitverantwortung – das wichtigste Gremium ist hierfür die Schulversammlung bzw. die Kreisversammlung der Lerngruppe. Die Jugendlichen entwickeln gemeinsam Lösungen, Regeln und Pläne und leiten die Schulversammlung auch selbst. Die Mitbestimmung drückt sich im Aufstellen und Diskutieren von gemeinsamen Regeln aus, aber auch in der Ausgestaltung der Schulräume und der zunehmenden Selbstorganisation des Lernens.