Pädagogisches Konzept

Pädagogisches Konzept

Neugier

Freies Lernen ist kein einzelnes pädagogisches Konzept, sondern eine ganze Strömung verschiedener Ansätze. Die Freie Schule Wendland folgt daher nicht einem einfachen, starren Konzept, sondern vereint bewährte Elemente aus verschiedenen Ansätzen und bleibt auch in Zukunft offen dafür, neue Erkenntnisse und Ansätze zu integrieren.

Die Basis unseres Ansatzes bilden die gut erprobten, vielfach bewährten Ansätze und entwicklungspsychologischen Erkenntnisse von Jean Piaget, Maria Montessori, Rebecca Wild und Gerald Hüther.

Jean Piaget geht davon aus, dass Kinder natürliche Entdecker sind, die im aktiven Umgang mit ihrer Umgebung Verständnisstrukturen entwickeln. Dabei durchlaufen sie verschiedene Entwicklungsphasen, die von außen nicht beeinflusst werden können.

„Jedes Mal, wenn wir einem Kind etwas frühzeitig beibringen, das er später für sich selbst hätte entdecken können, wird diesem Kind die Chance genommen, es selbst zu erfinden und es infolgedessen vollkommen zu verstehen.“
(Jean Piaget, Schweizer Psychologe, 1896 – 1980)

Maria Montessori, deren Forschungen auch den bekannten Montessori-Schulen zugrunde liegen, geht davon aus, dass Kinder eine entspannte, geordnete und inspirierende Umgebung brauchen – einen übersichtlichen Lernraum als Basis für die Erforschung des Neuen und Unbekannten. Diese Umgebung umfasst neben der materiellen Dimension auch erwachsene Lernbegleiter, die den Kindern und Jugendlichen mit einer respektvollen Grundhaltung und mit Vertrauen in ihre Entwicklungskräfte begegnen.

Die Aufgabe der Umgebung ist es nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“
Maria Montessori, Pädagogin

Rebeca Wild erweiterte das Konzept Montessoris um den Grundsatz der nicht-direktiven Begleitung – die Lernbegleiter sollen ihrer Ansicht nach so wenig wie möglich in den Lernprozess des Kindes eingreifen und statt dessen vor allem die Stärken und Interessen des Kindes fördern. Ziel ist es, die Kinder vom Erwartungsdruck der Erwachsenen zu befreien, und sie so umfassend wie möglich ihren eigenen authentischen Bedürfnissen und der natürlichen Entwicklung folgen zu lassen.

Sie geht davon aus, dass nur konkretes Erleben, das mit Bewegung und Sinnlichkeit verbunden ist und dass der Organismus aus eigenem Interesse eingeht, den Aufbau von komplexen Gehirnstrukturen und damit ein wirklich ganzheitliches Verstehen bewirkt. Wenn Inhalte nur auswendig gelernt werden, ist es später hingegen viel schwieriger, zu einem solchen echten Verständnis zu kommen, das nicht nur aufgesagt, sondern kreativ angewendet werden kann.

„Die harmonische Entfaltung von Kindern ist ein natürlicher und darum langsamer Prozess. Unsere Aufgabe ist es, die rechten Bedingungen dafür zu schaffen, aber nicht, den Prozess zu beschleunigen. Bringen wir es als Erwachsene fertig, diese inneren Prozesse nicht durch unsere Ungeduld zu stören, sondern ihnen den nötigen Nährstoff zu liefern, so lernt das Kind auf eigenen Füssen zu stehen und nicht sein Leben lang von äußerer Führung abhängig zu sein.“
Rebeca Wild, Pädagogin

Gerald Hüther ist ein deutscher Hirnforscher, der sich intensiv mit dem Lernen beschäftigt hat und als Folge seiner Erkenntnisse einer der bekanntesten Fürsprecher des selbstbestimmten Lernens geworden ist. Er beschreibt, wie Druck, Angst oder auch Belohnung zu einer Blockierung der Lernprozesse führen, während angstfreies Lernen gemäß der eigenen Interessen zu den besten und langfristigsten Lernerfolgen führt. Nur was der Mensch selbst für sinnvoll hält, das, was ihn neugierig macht, wird er langfristig behalten. Von außen initiierte Lernprozesse hingegen erreichen allenfalls das Kurzzeitgedächtnis. Seiner Ansicht nach sollte Schule dem Kind vor allem zwei Bedürfnisse erfüllen: Das Bedürfnis nach emotionaler Verbundenheit und das Bedürfnis nach Wachstum. Wenn Lernende gefordert, aber nicht überfordert sind und so ständig wachsen, kann sich ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln.

„Nur was der Mensch selbst für sinnvoll hält, das was ihn neugierig macht, wird er langfristig behalten.“
Gerald Hüther, Gehirnforscher

Aus diesen verschiedenen Ansätzen ergeben sich die pädagogischen Grundeinstellungen, welche die Gestaltung der Freien Schule Wendland prägen:

  • Lernen in entspannter Atmosphäre
    Eine anregende Umgebung, die neugierig macht, die verschiedene Bedürfnisse befriedigt und die frei von Gefahren ist; ohne Druck, frei von Manipulationen und Ratschlägen, mit klaren Strukturen, Regeln und Grenzen
  • Selbstbestimmtes Lernen
    Das Kind folgt seinen eigenen Interessen, in seiner eigenen Geschwindigkeit. Es bestimmt Lerninhalte und -form selbst und wird von den LernbegleiterInnen unterstützt und gefördert.
  • Lernen in jahrgangsübergreifenden Gruppen
    Lerngruppen bilden sich aufgrund von Interessen und Kompetenzen, nicht aufgrund des Alters. Es gibt keine Klassen, kein Sitzenbleiben, keinen Zeitdruck. Kinder lernen von- und miteinander – gemeinsam und ohne Konkurrenz. Das fördert das soziale Miteinander, Kreativität und Basis-Demokratie genauso sowie Toleranz und Flexibilität.
  • Transparenz von Lern- und Entwicklungsprozessen
    Transparenz und offener Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden. Dokumentation und regelmäßige Reflexion der Lernprozesse durch persönliche Arbeitsgespräche.
  • Nicht-Direktivität als pädagogische Basis
    Die LehrerInnen verstehen sich als LernbegleiterInnen, WegbereiterInnen und OrganisatorInnen des Lernstoffes. Sie sind für die Kinder und Jugendlichen ein echtes Gegenüber, begleiten sie präsent und unterstützend durch den Schulalltag. Der Erwachsene hat nicht länger die Rolle des Belehrenden mit entsprechendem Machtpotential inne, sondern wird zu einer Vertrauensperson, einer BegleiterIn auf Augenhöhe.
  • Inklusion
    Inklusion meint die gemeinsame Beschulung aller Kinder in all ihrer Unterschiedlichkeit. Die freie Schule Wendland wird kreativ die vorhandenen Möglichkeiten und Unterstützungen in Betracht ziehen, um jedes Kind, unabhängig von seinen Fähigkeiten und Besonderheiten an der Schule aufzunehmen und zu beschulen.
  • Kommunikation und Konfliktlösung
    Grundlage des Miteinanders sind der systemische Ansatz und die Gewaltfreie Kommunikation nach M. Rosenberg

 

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